Fallbeispiel
Fettaustritt und Temperaturabweichungen nach dem Nachschmieren
Fettleckagen und Temperaturabweichungen nach dem Nachschmieren traten weiterhin auf, bis der ORS an der Schmierstelle konkret umsetzbar gemacht wurde: Dosierregeln, Nutzungslogik, Spül- bzw. Entlastungsschritte sowie eine einfache Überprüfung nach 24–72 Stunden stabilisierten die Trends und reduzierten ungeplante Eingriffe.
Situation
In einem Werk waren Schmierintervalle und Schmierstoffauswahl für kritische Elektromotorlager und fettgeschmierte Pumpen bereits festgelegt. Trotz der geplanten Schmierung kam es jedoch weiterhin zu wiederkehrenden Problemen: Fettleckagen, beschädigte Dichtungen und zeitweise Temperaturanstiege nach dem Nachschmieren.
Was wurde beobachtet?
Fettaustritt und Leckagen kurz nach dem Nachschmieren
Uneinheitliches Ausdrückverhalten (manchmal starkes Ausdrücken, manchmal gar keines)
Erhöhte Temperaturen oder Geräuschabweichungen nach Schmierereignissen
Wiederkehrende „Fettverschmutzungen“ rund um Lagergehäuse und Dichtungen der Pumpen
Ursache: ORS-Lücke an der Schmierstelle
Die ORS-Definition legte fest, was anzuwenden ist (Schmiermittel und Intervall), jedoch nicht, wie die Ausführung und Überprüfung direkt an der Schmierstelle erfolgen soll:
Nachschmierung erfolgte ohne Berücksichtigung von Betriebszustand und Auslastung (Risiko einer Überversorgung im Stillstand, insbesondere bei Einzelpunktschmierern und Zentralschmiersystemen)
Spül- bzw. Entlastungsmöglichkeiten und Dichtungsauslegung wurden nicht in Arbeitsanweisungen übersetzt (Entlastungsschritte fehlten oder wurden nicht angewendet)
Ausgangszustand war nicht kontrolliert (sauberes Handling sowie korrekte Erstbefüllung bzw. definierter Ausgangszustand fehlten)
Einbaulage der Anlage (horizontal vs. vertikal) wurde bei Dosierlogik und Zeitpunkt der Überprüfung nicht berücksichtigt
Der Zustand des Fettes und das Risiko einer Ölabscheidung steigen bei längeren Stillständen; daher sind Ausgangszustand und sorgfältiges Handling entscheidend für eine valide Ausgangsbasis.
Korrekturmaßnahmen (ORS umsetzbar gemacht)
Die ORS-Vorgaben wurden in konkrete Ausführungsregeln auf Schmierstellenebene überführt: Dosierung, Methode, Intervall sowie Spül- bzw. Entlastungsschritte. Zusätzlich wurde eine klare Regel eingeführt, kein „Nachschmieren bis zum Austritt“ anzuwenden, wenn die Konstruktion dies nicht unterstützt.
Die Fettzufuhr wurde an die tatsächliche Nutzung angepasst (Logik für Betrieb vs. Stillstand bei manueller Schmierung, Einzelpunktschmierern und Zentralschmiersystemen).
Eine einfache Verifizierung wurde ergänzt: Beobachtung des Ausdrückverhaltens sowie eine Temperaturtrendprüfung innerhalb von 24–72 Stunden nach der Schmierung.
Die Akzeptanzkriterien an der Schmierstelle wurden präzisiert: Definition von „sauberem“ und „akzeptablem“ Zustand, Werkzeugsauberkeit sowie der Zustand nach Abschluss der Arbeiten.
Spül- bzw. Entlastungsfähigkeit und die Auslegung der Dichtungen bestimmen, ob verbrauchtes Fett kontrolliert austreten kann. Der ORS muss daher die Spül- bzw. Entlastungslogik sowie entsprechende Überprüfungen berücksichtigen.
Überprüfung und Ergebnis
Nach der Umsetzung wurde das Nachschmieren mit Fett reproduzierbar und Abweichungen konnten früher erkannt werden. Das Trendverhalten stabilisierte sich, und der Betrieb konnte ungeplante Eingriffe im Zusammenhang mit Fettleckagen und Temperaturanstiegen nach dem Nachschmieren deutlich reduzieren.
ORS – wichtigste Erkenntnis
Die bloße Definition eines ORS reicht nicht aus. ORS bleibt nur dann wirksam, wenn er durch wiederholbare Ausführung und regelmäßige Überprüfung direkt an der Schmierstelle umgesetzt wird – abgestimmt auf Anlagennutzung, Spül- bzw. Entlastungsmöglichkeiten, Kontaminationskontrolle und grundlegende mechanische Bedingungen.
Ein technischer Berater kann dabei unterstützen, ORS in konkrete Schmierstellendaten, Arbeitsanweisungen und Prüfschritte für kritische Schmierstellen zu übersetzen und so zur Stabilisierung der Betriebs- und Zustandsentwicklungen beizutragen.
Häufig gestellte Fragen
Fettaustritt kurz nach dem Nachschmieren entsteht häufig durch eine Abweichung in der Ausführung: Die zugeführte Menge und der Zeitpunkt passen nicht zum Betriebszustand der Anlage, und die Konstruktion von Gehäuse und Dichtung ermöglicht kein kontrolliertes Ausdrücken des Fettes.
Typische Ursachen
- Überversorgung im Stillstand oder bei geringer Auslastung
- Kein Spül- bzw. Entlastungsschritt (oder die falsche Annahme, dass ein Ausdrücken automatisch erfolgt)
- Unkontrollierter Ausgangszustand (altes Fett, Kontamination, falsche Ausgangsbasis)
Was hilft (ORS auf Schmierstellenebene)
- Dosierregeln und Nutzungslogik definieren
- Spül- bzw. Entlastungsschritte festlegen, die zur Dichtungs- und Gehäusekonstruktion passen
- Kriterien für einen „sauberen“ und „akzeptablen“ Zustand an der Schmierstelle festlegen
Temperaturabweichungen nach der Schmierung entstehen meist, wenn die Schmierung unterschiedliche Reibungs- und Verwirbelungseffekte erzeugt. Ursache sind häufig inkonsistente Fettmengen, falsches Timing oder unkontrolliertes Austrittsverhalten.
Typisches Muster
- Nach manchen Schmierereignissen stabilisiert sich die Temperatur, nach anderen steigt sie an
- Die Abweichung tritt häufig in Zusammenhang mit Schmierung im Stillstand, hoher Dosierung oder unzureichender Entlastung auf
Was hilft
- Schmierstoffzufuhr standardisieren (Menge und Methode)
- Schmierung auf Betrieb vs. Stillstand abstimmen
- Temperaturtrendprüfung innerhalb von 24–72 Stunden einführen, damit Abweichungen früh sichtbar werden
Eine ORS-Lücke entsteht, wenn ORS festlegt was zu tun ist (z. B. Fettart und Intervall), aber nicht wie die Schmierung an der Schmierstelle ausgeführt und überprüft werden soll.
In diesem Fall fehlten beispielsweise:
- Dosierregeln, die an die Nutzung gekoppelt sind (Betrieb vs. Stillstand)
- Spül- bzw. Entlastungslogik passend zur Dichtungs- und Gehäusekonstruktion
- Kontrollierter Ausgangszustand und sauberes Handling
- Regeln abhängig von der Einbaulage (horizontal vs. vertikal)
- Überprüfungsschritte nach der Schmierung
Warum das wichtig ist
Ohne diese Regeln bleibt Schmierung personen- und schichtabhängig. Dadurch wirken wiederkehrende Probleme oft zufällig oder intermittierend.
Viele Konstruktionen ermöglichen kein vorhersehbares Ausdrücken von Fett. Wenn so lange gepumpt wird, bis Fett austritt, kann sich Druck aufbauen, der Fett an Dichtungen vorbeidrückt, Leckagen verursacht und Dichtungen beschädigt – ohne sicherzustellen, dass das Fett tatsächlich die belastete Kontaktzone erreicht hat.
Bessere ORS-Regel
Spülung nur dann als Akzeptanzindikator verwenden, wenn die Konstruktion dies unterstützt.
Ansonsten: Dosierkontrolle + Entlastungsschritte + Überprüfung (Sauberkeit, Zustand nach der Schmierung, Temperaturtrend).
Ein praktisches Zeitfenster zur Nachkontrolle, das bestätigt, ob das Schmierereignis zu einem stabilen Zustand geführt hat.
Was überprüft wird
- Ausdrück- bzw. Leckageverhalten (erwartet vs. ungewöhnlich)
- Temperaturtrend (und ggf. Geräuschabweichungen)
- Sichtbarer Zustand rund um Gehäuse und Dichtungen
Warum 24–72 Stunden
In diesem Zeitraum zeigen sich typischerweise Überversorgung, Spülprobleme oder Dichtungsprobleme – früh genug, um zu reagieren, bevor daraus ein Anlagenstillstand entsteht.