So stimmen Sie die NLGI-Klasse auf die Betriebsbedingungen Ihrer Anlagen ab
Fettkonsistenz: zu weich, zu fest oder genau richtig?
Um Konsistenz richtig zu erklären, lohnt sich zunächst ein kurzer Blick darauf, was Schmierfett eigentlich ist. Die Auswahl des richtigen Schmierfetts ist entscheidend für Zuverlässigkeit, Energieeffizienz und die Lebensdauer von Komponenten. Eine wichtige Eigenschaft dabei ist die Konsistenz – also der Widerstand eines Schmierfetts gegen Verformung.
Ist ein Fett zu weich, kann es austreten oder verdrängt werden. Ist es zu fest, erreicht es möglicherweise die Kontaktzone nicht ausreichend. In der Praxis wird Schmierfett dennoch manchmal nach Farbe oder Gewohnheit ausgewählt oder ersetzt. Doch die Farbe ist kein Leistungsmerkmal. Die Auswahl sollte auf Basis der NLGI-Klasse, der Grundölviskosität, des Verdickertyps, des Additivpakets und der tatsächlichen Betriebsbedingungen erfolgen.
Dieser Artikel erklärt, was Schmierfett ist, wie Konsistenz definiert und gemessen wird, wie NLGI-Klassen mit realen Anwendungen zusammenhängen und worauf bei der Auswahl der passenden Konsistenzklasse zu achten ist.
Woraus besteht Schmierfett?
Schmierfett ist nicht einfach nur „verdicktes Öl“. Es besteht aus drei Hauptkomponenten:
- Grundöl – bildet den Schmierfilm zwischen beweglichen Teilen.
- Verdicker – hält das Öl an Ort und Stelle und verleiht dem Fett Struktur und Konsistenz.
- Additive – schützen unter anderem vor Verschleiß, Oxidation, Korrosion und extremen Druckbelastungen.
Funktionen des Verdickers
Der Verdicker wirkt wie ein Schwamm: Er hält das Öl, gibt es unter Belastung frei und nimmt es wieder auf, wenn der Druck nachlässt. Menge und Art des Verdickers beeinflussen unter anderem:
- Konsistenz, also weich oder fest
- Temperaturbeständigkeit
- Wasserbeständigkeit
- Verträglichkeit mit Dichtungen und Materialien
Wichtige Eigenschaften von Schmierfett
Zu den wichtigen Leistungsmerkmalen zählen:
- Tropfpunkt, also die Temperatur, bei der das Fett flüssig wird
- Förderbarkeit in Schmiersystemen
- Lasttragevermögen
- Scherstabilität unter mechanischer Belastung
- Beständigkeit gegen Auswaschen durch Wasser
All diese Eigenschaften werden auch von der Konsistenz beeinflusst.
NLGI-Klassen einfach erklärt
Das National Lubricating Grease Institute (NLGI), kurz NLGI, hat eine Skala zur Klassifizierung der Fettkonsistenz entwickelt. Sie reicht von 000, sehr fließfähig, bis 6, sehr fest.
Die Konsistenz wird mit dem sogenannten Kegelpenetrationstest nach ASTM D217 gemessen. Dabei sinkt ein genormter Kegel für fünf Sekunden in das Fett ein. Die Eindringtiefe bestimmt die jeweilige NLGI-Klasse.
NLGI-Klassen und typische Anwendungen
| NLGI Klasse | Konsistenzbeispiel | Typische Anwendungen |
|---|---|---|
| 000–00 | fließfähig, ähnlich wie Ketchup | Getriebe, Zentralschmiersysteme, Förderanlagen in Kältebereichen |
| 0–1 | weich, ähnlich wie Butter | Lager bei niedrigen Temperaturen, Lebensmittelindustrie, Winterbedingungen |
| 2 | ähnlich wie Erdnussbutter | Allgemeiner Maschinenbau, Motoren, Pumpen, Förderanlagen |
| 3–6 | fest, von Margarine bis Hartkäse | Geschlossene Lager, hohe Temperaturen oder langsame, stark belastete Anwendungen |
Worauf Sie bei der Auswahl der passenden NLGI-Klasse achten sollten
- Betriebstemperatur - Kälte erfordert meist weichere Fette, während höhere Temperaturen häufig festere Fette notwendig machen.
- Lagergeschwindigkeit - Schnelllaufende Maschinen benötigen eher weichere Konsistenzen. Langsam laufende oder stark belastete Anwendungen können festere Fette erfordern.
- Art der Anwendung - Zentralschmiersysteme benötigen gut förderbare Fette. Bei manueller Schmierung können je nach Anwendung auch festere Fette eingesetzt werden.
- Umgebungseinflüsse - Wasser, Dampf, Reinigungsmittel oder Staub können die Fettleistung erheblich beeinflussen und sollten bei der Auswahl berücksichtigt werden.
Häufige Missverständnisse
- „Die Farbe ist entscheidend.“ Falsch. Farbpigmente dienen hauptsächlich der Wiedererkennung. Sie sagen nichts über die Leistungsfähigkeit eines Schmierfetts aus.
- „Ein Fett passt für alles.“ Falsch. Jede Anwendung hat eigene Anforderungen in Bezug auf Last, Geschwindigkeit, Temperatur und Umgebung.
Conclusion
Consistency, expressed as NLGI grade, is a key parameter in grease selection. The correct grade ensures reliable film formation, prevents leakage and extends component life.
When combined with MicPol® technology, the right NLGI grade delivers both correct consistency and a durable protective film, resulting in longer lubrication intervals, reduced energy use and higher reliability compared to standard greases.
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What to consider when selecting a grade
- Operating temperature – cold requires softer grease, hot requires stiffer grease.
- Bearing speed – fast-running machines prefer softer grades, slow or heavy-duty ones stiffer.
- Application type – lubrication systems need pumpable greases, manual greasing allows firmer ones.
- Environment – water, steam, cleaning agents or dust can all affect performance.
Common misconceptions
- Colour matters. False. Pigments only help identification. They do not affect performance.
- One grease fits all. Every application has its own load, speed and temperature requirements.
Fazit
Die Konsistenz, ausgedrückt durch die NLGI-Klasse, ist ein zentraler Faktor bei der Auswahl des richtigen Schmierfetts. Die passende Klasse sorgt dafür, dass ein zuverlässiger Schmierfilm entsteht, Leckagen vermieden werden und Komponenten länger geschützt bleiben.
In Kombination mit MicPol® Technologie liefert die richtige NLGI-Klasse nicht nur die passende Konsistenz, sondern auch einen langlebigen Schutzfilm. Das unterstützt längere Schmierintervalle, einen geringeren Energieverbrauch und eine höhere Anlagenzuverlässigkeit im Vergleich zu herkömmlichen Schmierfetten.
Sie möchten wissen, welches Schmierfett am besten zu Ihren Maschinen passt? Kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Beratung und erfahren Sie, wie MicPol® Technologie dazu beitragen kann, Schmierintervalle zu verlängern und Kosten zu senken.
Author: Janneke van der Pol, MLT I
Reviewed by: Frank van der Graaf, Technical Manager Interflon
Häufig gestellte Fragen
Nein. NLGI 2 ist weit verbreitet, aber nicht universell einsetzbar. In Kühl- oder Tiefkühlbereichen kann ein Schmierfett der Klasse NLGI 2 zu fest sein, um zuverlässig nachzufließen. Bei hohen Temperaturen oder stark belasteten Anwendungen hängt die Schmierfilmdicke vor allem von der Grundölviskosität bei Betriebstemperatur ab – nicht allein von der NLGI-Klasse. Entscheidend ist daher, Konsistenz und Viskosität passend zur jeweiligen Anwendung auszuwählen.
Das ist riskant. Selbst bei gleicher NLGI-Klasse können unverträgliche Verdicker oder Additive zu Ölabscheidung, Verhärtung, veränderter Konsistenz oder Schäden an Dichtungen führen. Bewährte Praxis ist daher: Vor einem Fettwechsel das alte Schmierfett möglichst vollständig entfernen, die Schmierstelle reinigen beziehungsweise gründlich spülen und die Verträglichkeit anhand von Kompatibilitätstabellen prüfen.
Nein. Die Farbe entsteht durch Pigmente und dient hauptsächlich der Identifikation. Sie ist kein Leistungsindikator. Die tatsächliche Leistung eines Schmierfetts wird durch Grundöl, Verdickerchemie, Additive und NLGI-Klasse bestimmt. Eine Farbveränderung während des Einsatzes kann jedoch ein Hinweis auf Verunreinigung, Alterung oder Abbau des Schmierfetts sein.
In der Regel kann Schmierfett etwa 3 bis 5 Jahre gelagert werden, sofern es sich in verschlossenen, sauberen Gebinden befindet und kühl, trocken sowie vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt aufbewahrt wird. Schlechte Lagerbedingungen können Ölabscheidung und Oxidation beschleunigen. Eine klare Kennzeichnung und das FIFO-Prinzip – also „First In, First Out“ – helfen, die Qualität im Schmierstofflager dauerhaft sicherzustellen.