Wie sich ein ICML-konformes Schmiermanagement an der Schmierstelle praktisch umsetzen lässt

Optimum Reference State (ORS): von der Definition zur Kontrolle

Viele Betriebe verfügen bereits über Schmierstandards, Schmierpläne und Audits. Dennoch wiederholen sich Ausfälle, weil „korrekte Schmierung“ an der eigentlichen Schmierstelle weiterhin unterschiedlich interpretiert wird. Der ORS (Optimum Reference State) hilft, diese Lücke zu schließen, indem er den vereinbarten, messbaren Zustand „unter Kontrolle“ für jede Schmierstelle definiert.

Schmierung kann als Kontrolldisziplin verstanden werden: Es wird definiert, wie „unter Kontrolle“ aussieht, dieser Zustand wird reproduzierbar umgesetzt und seine Stabilität über Trends überprüft.

Was ORS in der Praxis verändert

ORS verlagert den Fokus von der bloßen Erledigung von Schmieraufgaben hin zu vorhersehbarer Leistung:

  • weniger wiederkehrende Ausfälle durch Kontamination, Dosierschwankungen und schleichende Veränderungen mechanischer Grundlagen
  • weniger „Feuerwehreinsätze“ durch stabile Trends bei Temperatur, Vibration und Leckage
  • klarere Entscheidungen: akzeptabler Zustand oder Abweichung – jeweils mit definierten Korrekturmaßnahmen

ORS funktioniert jedoch nur dann, wenn es reproduzierbar umgesetzt und über die Zeit verifiziert wird – einschließlich entsprechender Korrekturmaßnahmen, um Abweichungen zu verhindern und stabile Betriebsverläufe aufrechtzuerhalten.

ORS, ICML-konformes Management und der Interflon-Ansatz

ORS ersetzt ICML 55 oder vergleichbare Frameworks nicht. Es ist die Umsetzungsebene, die ICML-orientierte Zielsetzungen auf dem Shopfloor durch Referenzzustände, standardisierte Arbeitsabläufe und Verifizierungsmaßnahmen praktisch anwendbar macht.

ORS ist werkzeugunabhängig, hängt jedoch von der Qualität der Umsetzung ab. Kontrolle erfordert:

  • Schmierstellendaten (Schmiermittel, Dosierung, Methode, Intervall, Spül- bzw. Entlastungslogik)
  • definierte Akzeptanzkriterien („sauber“ und „akzeptabel“ je nach Standort)
  • Verifizierungsschritte, die an den dominierenden Störfaktoren ausgerichtet sind

Die Rolle von Interflon besteht darin, ORS operativ umsetzbar zu machen, ohne Methoden und Prüflogik neu erfinden zu müssen. Technische Berater übersetzen ORS in Schmierstellendaten, ORS-Karten, Routen und Verifizierungsroutinen und unterstützen die Stabilisierung von Leistungstrends. Wo Skalierung oder der Nachweis der Durchführung eine Herausforderung darstellen, können digitale Workflows – beispielsweise ILAC® – eine konsistente Umsetzung und Überprüfung unterstützen.
 

Minimales Verifizierungsset

Für den Einstieg ist kein vollständiges Condition-Monitoring-Programm erforderlich. Es genügt ein begrenzter Satz an Prüfungen, der auf die wichtigsten Ausfallursachen abgestimmt ist:

  • Aufgabenerfüllung (wie vorgegeben durchgeführt)
  • Dosierlogik (definierte Methode bzw. definiertes Werkzeug, nicht „nach Gefühl“)
  • Sichtbare Signale: Leckage, Schmutzaufbau, Verfärbung, Ausdrückverhalten
  • Status von Entlastung bzw. Ablauf: bei Bedarf geöffnet, Schmierstelle sauber hinterlassen
  • Temperaturtrend im Vergleich zur Ausgangsbasis
  • Schnelle Prüfung auf Geräusch- oder Vibrationsabweichungen
  • Kontaminationsrisiko: Zustand der Dichtung, Ordnung und Sauberkeit, Einfluss von Reinigungsprozessen

Wenn geeignete Werkzeuge vorhanden sind, kann die Verifizierung zusätzlich durch Schwingungsanalyse, Öl- oder Partikelmessung, Thermografie oder Ultraschall erweitert werden.

Die fünf ORS-Säulen

  1. Auswahl des Schmiermittels und Stabilität des Schmierfilms
    Die Auswahl erfolgt nach Last, Drehzahl, Temperatur und Umgebung, damit ein stabiler Schmierfilm aufrechterhalten werden kann.
  2. Kontaminationskontrolle
    Verhindern Sie das Eindringen von Verunreinigungen, schützen Sie Schmierstellen während der Arbeiten und kontrollieren Sie Rückstände nach der Reinigung..
  3. Ausführung gemäß Konstruktionsabsicht
    Definieren Sie Dosierung, Methode und Intervall. Steuern Sie Spül- oder Entlastungswege korrekt. Wenn kein Spülweg vorhanden ist, sollte mit Mikrodosierung gearbeitet und über Trends verifiziert werden – „Schmieren bis zum Austritt“ sollte vermieden werden, wenn die Konstruktion dies nicht unterstützt.
  4. Mechanische Integrität
    Ausrichtung, Passungen und die Qualität der Montage bestimmen Flächenpressung und Schmierfilmreserve. ORS setzt voraus, dass die mechanischen Grundlagen innerhalb vereinbarter Toleranzen liegen – oder dass Abweichungen ausdrücklich berücksichtigt werden.
  5. Prozessdisziplin und Standardisierung
    Kennzeichnung, feste Routen, eine Anweisung pro Aufgabe und 6S sorgen dafür, dass die Ausführung über die Zeit stabil bleibt.

Praktische Aspekte bei fettgeschmierten Anlagen

Die folgenden Faktoren beeinflussen, ob der definierte ORS in der Praxis erreicht werden kann:

Betriebszustand und Auslastung
Bei rotierenden Anlagen sollte die Fettzufuhr berücksichtigen, ob die Maschine läuft und wie häufig sie in Betrieb ist. Das ist besonders wichtig bei Einzelpunktschmierern oder Zentralschmiersystemen, um das Risiko einer Überversorgung im Stillstand zu reduzieren.

Korrekte Erstbefüllung und saubere Vorbereitung
ORS setzt einen gültigen Ausgangszustand voraus. Sauberes Handling und die korrekte Erstbefüllung mit Fett sind erforderlich, um eine verlässliche Ausgangsbasis für die Verifizierung zu schaffen.

Spülwege und Dichtungsauslegung
Die Möglichkeit, verbrauchtes Fett auszudrücken, hängt von den vorhandenen Spülwegen und der Dichtungskonfiguration ab. Der ORS muss die tatsächlichen Spül- bzw. Entlastungsmöglichkeiten der Schmierstelle berücksichtigen.

Häufige ORS-Fehler

  • ORS mit „mehr Schmierung“ verwechseln statt mit korrekter Dosierung und Methode

  • ohne Ausgangsbasis starten, sodass kein Trendvergleich möglich ist

  • keine standardisierten Arbeitsabläufe festlegen, wodurch die Ausführung personenabhängig wird

  • Kontamination erst dann angehen, wenn sie sichtbar ist

  • Reinigung und Schmierung als getrennte Prozesse behandeln

  • Auswirkungen von Ausrichtung und Montage auf die Schmierfilmbildung ignorieren

ORS in 30–60 Tagen

Ein pragmatischer Einstieg kann so aussehen:

  1. Umfang über Pareto festlegen (Anlagen mit der größten Störwirkung).

  2. Aktuelle Praxis und Signale als Ausgangsbasis aufnehmen.

  3. ORS-Karten pro Schmierstelle erstellen: Schmiermittel, Dosierung, Methode, Intervall, Spüllogik und Akzeptanzkriterien.

  4. Standardisierte Arbeitsabläufe verankern: Kennzeichnung, Routen, eine Anweisung pro Aufgabe.

  5. Mit dem minimalen Verifizierungsset und einem einfachen Trendprotokoll überprüfen.

  6. Zuerst stabilisieren, dann den Umfang erweitern.

Die Definition eines ORS ist in der Regel vergleichsweise einfach. Die dauerhafte Aufrechterhaltung des ORS erfordert jedoch Struktur, Verifizierungsdisziplin und konsequente Nachverfolgung, da Abweichungen durch Kontamination, schleichende Dosieränderungen, Reinigungsrückstände und veränderte Betriebsbedingungen immer wieder zurückkehren können.

 

Fallstudie:

Das Nachschmieren mit Fett führte zu Leckagen und Temperaturanstiegen nach der Schmierung, bis ORS-Ausführungsregeln und Verifizierungsschritte ergänzt wurden.
Lesen Sie das Fallbeispiel zur Fett-Nachschmierung
 

ORS Mini Case Grease small

Fazit

Wenn Sie ORS umsetzen möchten, ohne Methoden und Prüflogik neu entwickeln zu müssen, kann ein Technischer Berater dabei unterstützen, ORS für kritische Schmierstellen zu definieren, in standardisierte Arbeitsabläufe und Prüfschritte zu übersetzen und die Stabilisierung von Trends zu begleiten.

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