Ursachen, Auswirkungen und Maßnahmen
Überschmierung vermeiden
Wir alle kennen die Folgen unzureichender Schmierung: quietschende Bauteile, übermäßige Wärmeentwicklung, blockierte Wälz- und Gleitlager und im schlimmsten Fall ein vollständiger Maschinenausfall. Die Auswirkungen einer übermäßigen Schmierung sind dagegen weniger bekannt – möglicherweise, weil sie nicht hörbar sind. Doch auch Über-Schmierung kann letztlich zu einem vollständigen Anlagenstillstand, einer verkürzten Lebensdauer von Komponenten und unnötigem Energieverbrauch führen. Dieser Artikel beschreibt die Ursachen und Auswirkungen von Über-Schmierung und gibt Tipps sowie Empfehlungen, wie sich diese vermeiden lässt.
Überschmierung bedeutet, dass mehr Schmiermittel als erforderlich aufgetragen wird. Dies geschieht meist aufgrund mangelnden Wissens, durch die Verwendung des falschen Schmiermittels oder durch den Einsatz ungeeigneter Geräte.
Mangelnde Kenntnisse
Wenn zu wenig Wissen über die Funktionsweise von Schmiermitteln vorhanden ist, neigt man dazu zu denken: „Zu viel ist besser als zu wenig.“ Wartungspersonal geht oft davon aus, dass überschüssiges Schmiermittel von selbst austritt und die optimale Menge im Bauteil verbleibt. Das ist jedoch keineswegs der Fall. Überschüssiges Schmiermittel kann unter hohem Druck in den Zwischenräumen beweglicher Teile verbleiben. Dadurch fällt es diesen Bauteilen schwerer, sich durch den Schmierfilm zu bewegen, was zu einer höheren Belastung der Komponenten und letztlich der gesamten Maschine führt.
Falsches Schmiermittel
Ein Schmiermittel muss für die jeweilige Anwendung geeignet sein. Zusammensetzung und Viskosität müssen unter anderem den herrschenden Temperaturen, Drücken und Geschwindigkeiten standhalten. Wird ein ungeeignetes Schmiermittel verwendet und kommt es dadurch zu einer unzureichenden Schmierung, wird häufig angenommen, dass die Schmiermittelmenge das Problem ist. In der Folge wird mehr Schmiermittel hinzugefügt. Dies führt jedoch nicht zu einer Verbesserung, sondern zu Über-Schmierung und den damit verbundenen Nachteilen.
Auswirkungen von Über-Schmierung
Die Auswirkungen von Über-Schmierung sind vielfältig – jedoch ausnahmslos negativ.
Unnötig hoher Schmiermittelverbrauch
Ein offensichtlicher Nachteil ist die Verschwendung von Schmiermittel. Über-Schmierung bedeutet immer, dass mehr Schmiermittel verwendet wird als notwendig, was zu einem unnötig hohen Verbrauch führt.
Verkürzte Lebensdauer von Komponenten
Befindet sich beispielsweise in einem Lager zu viel Schmiermittel, wird die Bewegung durch das Fett erschwert. Dies führt zu zusätzlicher Wärmeentwicklung sowie zu einer höheren Belastung von Maschine und Antrieb. Die daraus entstehenden hohen Temperaturen und Drücke können die Lebensdauer eines Lagers – ebenso wie die der zugehörigen Anwendungen – erheblich verkürzen. Dichtungen können beschädigt werden, und selbstverständlich steigt auch der Energieverbrauch.
Verkürzte Lebensdauer des Schmiermittels
Darüber hinaus entsteht ein Schneeballeffekt. Durch die höheren Temperaturen und Drücke verschlechtert sich auch die Qualität des Schmiermittels. Dadurch nimmt die Schmierfähigkeit des Fettes deutlich schneller ab als erwartet. Dies führt zu erhöhter Reibung im Lager und damit zu einem weiteren Temperaturanstieg. In der Folge beschleunigt sich der Verschleiß sowohl der Maschinenkomponenten als auch des Schmiermittels selbst.
Die folgende Faustregel zeigt, wie schnell die Qualität eines Schmiermittels bei steigenden Temperaturen abnimmt:
Jede Temperaturerhöhung um 10 °C über 65 °C halbiert die Lebensdauer des Schmiermittels.
Das bedeutet: Ein Schmiermittel, das bei 65 °C einen Monat hält, hält bei 75 °C nur noch zwei Wochen, bei 85 °C eine Woche und bei 95 °C nur noch wenige Tage.
Der Grund für diese drastische Verkürzung der Lebensdauer liegt in der Zusammensetzung des Schmiermittels. Grundsätzlich besteht ein Schmiermittel aus einem Grundöl, Additiven und – im Falle eines Fettes – einem Verdicker. Steigen die Temperaturen, kann das Öl verdampfen und verkoken, wodurch ein harter Rückstand entsteht. Ein erstes Anzeichen dafür, dass die maximale Temperaturgrenze eines Fettes überschritten wurde, ist das sogenannte Ausbluten des Grundöls. Auch dadurch entstehen verkokte Rückstände.
Verkohlte Partikel und ein ausgetrockneter Verdicker im Fett können keine ausreichende Schmierung mehr gewährleisten. Dies führt zu übermäßiger Wärme- und Geräuschentwicklung und letztlich zum Festfressen von Komponenten.
Zusammenfassung
Über-Schmierung führt zu:
- vorzeitigem Austausch des Schmiermittels und damit zu höheren Wartungskosten
- verkürzter Lebensdauer von Lagern oder anderen Maschinenkomponenten und damit zu höheren Beschaffungskosten
- erhöhter Wahrscheinlichkeit von Störungen oder Stillständen und dadurch geringerer Produktionsleistung
- größerem Risiko von Motorschäden, wenn überschüssiges Fett in die Anwendung gelangt
- beschädigten oder gerissenen Lagerdichtungen durch steigenden Druck, was zu Leckagen und Schmiermittelverlust führt
- höherem Energieverbrauch
Maßnahmen
Schmierung sollte als präzise und proaktive Aufgabe betrachtet werden, die für die einwandfreie Funktion von Produktionsanlagen in jedem Betrieb unerlässlich ist. Neben der richtigen Schmierstoffmenge ist auch die Auswahl des geeigneten Schmiermittels entscheidend. Eine fundierte Empfehlung erfordert Fachwissen und Erfahrung.
Um Über-Schmierung zu vermeiden, können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden:
Benötigte Fettmenge bestimmen
Über-Schmierung lässt sich vermeiden, wenn genau bekannt ist, wie viel Fett eine Anwendung benötigt. Diese Informationen finden sich häufig im Handbuch des Maschinenherstellers. Alternativ können sie auch empirisch ermittelt werden, indem relevante Daten über einen längeren Zeitraum gesammelt, dokumentiert und analysiert werden.
Automatische Schmierung einsetzen
Wenn Wartungspersonal weiß, dass ausreichend, aber nicht zu viel Schmiermittel erforderlich ist, kann eine automatische Schmierung eine gute Lösung sein. Automatische Schmiergeräte tragen die exakt eingestellte Menge Fett an der richtigen Stelle auf. Beispiel ist der Interflon Single Point Lubricator
Fettpresse kalibrieren
Die richtige Schmierstoffmenge kann nur dann aufgetragen werden, wenn bekannt ist, wie viel Fett eine Fettpresse pro Hub abgibt. Dies lässt sich bestimmen, indem die abgegebene Fettmenge – nach Gewicht oder Volumen – gemessen wird. Erst mit diesen Informationen kann die gewünschte Schmierstoffmenge präzise dosiert werden.
Schmieraktivitäten dokumentieren
Beim Aufbau eines systematischen Schmierwartungsprogramms ist es sinnvoll, eine Datenbank mit allen wichtigen Informationen zu erstellen. Beginnen Sie mit der kritischsten oder störanfälligsten Maschine.
Welche Schmiermittel werden verwendet?
Wie häufig wird geschmiert?
An welchen Schmierstellen?
Welche Ergebnisse werden beobachtet?
Durch eine solche Dokumentation entsteht im Laufe der Zeit eine Historie, anhand derer Trends erkannt werden können. So lässt sich beurteilen, ob Schmiermittel und Schmierintervalle geeignet sind. Trendanalysen können auch die Wirksamkeit von Änderungen bewerten. Dies kann beispielsweise mit Wartungssoftware wie ILAC® erfolgen.
Geräusche und Vibrationen messen
Analysegeräte, die sowohl Temperatur als auch Vibrationen messen, sind ideal, um vor Ort zu erkennen, ob eine Anwendung ausreichend geschmiert ist. Diese Präzisionsinstrumente zeigen an, wann der optimale Schmierzustand erreicht ist und wann das Nachschmieren beendet werden sollte. Gleichzeitig können sie zur Überwachung des aktuellen Schmierzustands eingesetzt werden.
Verantwortliche Person benennen
Bestimmen Sie eine geeignete Person als Verantwortliche für die Schmierwartung. Diese Person übernimmt die Planung, trifft die richtigen Entscheidungen und stellt sicher, dass die Maßnahmen von den Kolleginnen und Kollegen korrekt umgesetzt werden.
Fragen?
Unsere technischen Berater unterstützen Sie gerne bei der Auswahl des richtigen Schmiermittels, der Bestimmung der optimalen Menge und Schmierintervalle sowie bei der Überwachung Ihrer Schmierwartung und der Auswertung von Messungen und Trendanalysen.
Ihr Vorteil:
- längere Lebensdauer der Schmiermittel
- höhere Maschinenverfügbarkeit
- weniger Stillstandzeiten
- geringere Produktionsverluste
- niedrigere Wartungskosten
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